Wie kann das Gesundheitswesen Kinder und Familien mit Enuresis am besten unterstützen?

Dies war die zentrale Frage des digitalen Webinars „Enuresis-Behandlung aus mehreren Perspektiven – Evidenz, Leitlinien und reale Erfahrungen“, das am 22. Januar 2026 stattfand.

Das Webinar wurde gemeinsam von der Region Blekinge, Wellspect, Essity und Pjama AB organisiert und richtete sich an Fachkräfte im Gesundheitswesen, die mit Kindern mit Enuresis sowohl in der Primärversorgung als auch in spezialisierten Einrichtungen arbeiten.

Das Ziel war klar: die klinische Kompetenz zu stärken, indem aktuelle Forschung, klinische Erfahrung sowie Patienten- und Familienperspektiven zusammengebracht werden – und so zu einer gerechteren und einfühlsameren Versorgung beizutragen.

Neue Erkenntnisse verändern unseren Blick auf die Behandlung

Professor Tryggve Nevéus, Professor für Pädiatrie und Kinderarzt am Universitätskrankenhaus Uppsala, eröffnete das Webinar mit einem Überblick über Epidemiologie, Pathophysiologie und evidenzbasierte Behandlungsstrategien bei Enuresis.

Eine zentrale Botschaft war klar:
Neuere Forschungen haben die Art und Weise verändert, wie die Behandlung der Enuresis verstanden und durchgeführt werden sollte.

Enuresis ist in allen Kulturen verbreitet und betrifft nicht nur Kinder – mindestens 0,5 % der Erwachsenen haben anhaltende Symptome. Trotzdem gibt es innerhalb der Gesundheitssysteme weiterhin erhebliche Unterschiede in der Diagnose und Behandlung.

Die Forschung zeigt, dass nächtliche Enuresis selten eine einzige Ursache hat. Stattdessen liegen oft mehrere Faktoren vor, wie zum Beispiel:

  • nächtliche Polyurie
  • Detrusor-Hyperaktivität
  • hohe Erregungsschwellen während des Schlafs

Dies unterstreicht die Bedeutung einer individualisierten, evidenzbasierten Behandlung gegenüber allgemeinen Empfehlungen oder langjährigen Routinen.

Weiterdenken über „gut gemeinte Ratschläge“ hinaus

Ein wichtiger Teil der Präsentation konzentrierte sich darauf, traditionelle Empfehlungen in Frage zu stellen, die in der Praxis noch häufig gegeben werden, wie zum Beispiel:

  • Einschränkung der Flüssigkeitszufuhr am Abend
  • das nächtliche Wecken des Kindes zum Wasserlassen
  • ein „Abwarten und Tee trinken“-Ansatz

Nach aktuellem Kenntnisstand zeigen diese Maßnahmen nur begrenzte oder keine Wirkung bei der Behandlung von Enuresis. Ebenso fehlt der grundlegenden Blasentrainingstherapie der Nachweis als Erstlinientherapie – was eine wesentliche Veränderung im klinischen Denken bedeutet.

Stattdessen haben strukturierte Behandlungsansätze wie Enuresis-Weckgeräte und Desmopressin, wenn sie korrekt indiziert, nachverfolgt und evaluiert werden, eine starke wissenschaftliche Unterstützung.

Klinische Auswirkungen: wenn Struktur wichtiger ist als Ausdauer

Die Erkenntnis über die Bedeutung eines frühen Ansprechens ändert die Art und Weise, wie die Wecktherapie in der Praxis gehandhabt werden kann.

Frühe Nachverfolgung ermöglicht es Klinikern:

  • Nicht-Ansprecher schneller zu identifizieren
  • die Erwartungen mit Familien anzupassen
  • die Behandlungszeit oder -methode zu überdenken
  • unnötige Belastungen für das Kind und die Betreuer zu reduzieren

Wichtig ist, dass das Pausieren oder Stoppen einer Behandlung ohne frühe Wirkung kein Versagen darstellt. In vielen Fällen bedeutet dies eine bessere, individuellere Versorgung.

Ein strukturierter Ansatz zur frühen Evaluation unterstützt die klinische Entscheidungsfindung und hilft, passive „Abwarten und Tee trinken“-Strategien zu vermeiden.

Podiumsdiskussion: Wenn Leitlinien auf den Alltag treffen

Nach dem Vortrag versammelte eine Podiumsdiskussion drei Perspektiven:

  • eine Elternteil, der von den Erfahrungen mit einem Kind mit Enuresis berichtete
  • eine Gemeindeschwester, die Einblicke in die tägliche Praxis der Primärversorgung gab
  • Professor Nevéus, der die Diskussion wieder mit Forschung und Leitlinien verband

Das Gespräch wurde von Jens Larsson moderiert, Uro- und Darmtherapeut sowie Kinderkrankenschwester, und konzentrierte sich darauf, wie die Enuresis-Behandlung im realen Leben erlebt wird, welche Herausforderungen im Versorgungspfad bestehen und wie das Gesundheitswesen Kinder und Familien besser unterstützen kann.

Eine gemeinsame Verantwortung entlang des Versorgungspfads

Das Webinar hob die Notwendigkeit klarerer Rollen und Kooperationen im Gesundheitswesen hervor. Mit dem richtigen Wissen und den passenden Werkzeugen können sowohl die Primärversorgung als auch spezialisierte Dienste eine entscheidende Rolle dabei spielen, wirksame, sichere und evidenzbasierte Behandlungen zu liefern – und gleichzeitig unnötige Schuldgefühle, Scham und Belastungen für Kinder und deren Familien zu verringern.

Warum Pjama beteiligt ist

Bei Pjama AB setzen wir uns dafür ein, das Stigma rund um Enuresis und Inkontinenz zu reduzieren und Lösungen zu unterstützen, die sowohl auf wissenschaftlichen Erkenntnissen als auch auf realen Bedürfnissen basieren. Die Teilnahme als Co-Organisator an Bildungsinitiativen wie diesem Webinar ist eine natürliche Erweiterung unseres Engagements für Kinder, Familien und Fachkräfte im Gesundheitswesen.

Wenn Forschung, klinische Expertise und gelebte Erfahrung zusammenkommen, schaffen wir bessere Voraussetzungen für eine Versorgung, die wirklich einen Unterschied macht.

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